Das politische Buch - Bénédicte Savoy : Afrikas Kampf um seine Kunst

Debatte

Im Rahmen des Projekts "Das politische Buch" präsentiert die Kunsthistorikerin Bénédicte Sovoy ihre letzte Publikation, "Afrikas Kampf um seine Kunst" und diskutiert mit dem Autor Arno Bertina und die Journalistin Michaela Wiegel über die Rückgabe afrikanische Kunst und Kulturgütern an deren Herkunftsländern. 

benedicte savoy

Warum und wie sollten Kunstwerke, die während der Kolonialzeit gesammelt oder geplündert und in europäischen Museen ausgestellt wurden, afrikanischen Ländern zurückgegeben werden?

Video der Veranstaltung : 

Die Frage der Rückgabe kolonialer Raubkunst löst innerhalb den französischen Kunst- und Intellektuellensmileus intensive Debatten und Kontroversen aus, seit Präsident Emmanuel Macron Ende 2017 in einer Rede in Ouagadougou (Burkina Faso) erklärte:

"Es ist nicht akzeptabel, dass sich ein Großteil des kulturellen Erbes mehrerer afrikanischer Länder in Frankreich befindet. (...) Ich möchte, dass innerhalb von fünf Jahren die Voraussetzungen für eine vorläufige oder endgültige Rückgabe des afrikanischen Erbes in deren Herkunftsländer geschaffen werden. "

Am 6. Oktober 2020 stimmte demnach die französische Nationalversammlung für die Rückgabe von Kulturgütern an Benin und Senegal: Die 26 Kunststücke des "Schatzes von Behanzin", die nach der Plünderung des Palastes der Könige von Abomey durch französische Kolonialtruppen im Jahr 1892 gesammelt wurden, werden an Benin zurückgegeben. Ferner wird das Schwert von El Hadj Omar Tall - eine große westafrikanische militärische und religiöse Figur des 19. Jahrhunderts - symbolisch an die Republik Senegal übermittelt und in Dakar ausgestellt. Der Restitutionsprozess ist eine Bedingung für die historische Wiedergutmachung und wichtig für die EU-Afrika-Beziehungen.

Zahlreiche Fragen müssen jedoch diskutiert werden: Wie kann gerechtfertigt werden, dass die afrikanische Jugend keinen Zugang zur Kreativität früherer Generationen hat? Wie gelangten überhaupt diese Werke aufs französisches Gebiet?

Die Untersuchung der Herkunft der 88.000 afrikanischen Kulturgüter in den öffentlichen Sammlungen Frankreichs ist in der Tat ein erster notwendiger Schritt. Diese Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Volkshoschule Erding und dem Goethe-Institut Paris organisiert. Den Austausch zwischen Bénédicte Savoy und Arno Bertina hat Michaela Wiegel moderiert. 

  • Prof. Bénédicte Savoy ist Professorin für Kunstgeschichte an der TU Berlin und am Collège de France in Paris. 2016 erhielt sie den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sie hat vielfältig zu Kunstraub und Beutekunst geforscht und ist eine der prominentesten Stimmen in der Debatte über die Rückgabe geraubter Kulturgüter in westlichen Sammlungen. Zusammen mit Felwine Sarr hat sie den Bericht für Emmanuel Macron zur Restitution afrikanischer Kulturgüter an die Herkunftsländer verfasst. 2021 erscheint ihr neues Buch „Afrikas Kampf um seine Kunst: Geschichte einer postkolonialen Niederlage“ (C.H.Beck). 
     
  • Arno Bertina ist Autor von Romanen, Essays und Radiofeatures, in denen er häufig zeitgeschichtliche Themen aufgreift. So behandelt er in dem von Bénédicte Savoy ins Deutsche übersetzten Buch „Mona Lisa in Bangoulap: Die Fabel vom Weltmuseum“ (Matthes & Seitz 2016) ebenso spielerisch wie geistreich die Widersprüche der Museumsarbeit in der postkolonialen Weltgesellschaft.
     
  • Michaela Wiegel ist Journalistin und politische Korrespondentin der FAZ in Frankreich seit 1998. Sie ist die Autorin von „Emmanuel Macron, ein Visionär für Europa“ (Europa Verlag, 2018).